Weiterbildungschancen: "Kompetenzen zählen – aber nicht für alle gleich"
Der aktuelle OECD Skills Outlook offenbart eine unbequeme Wahrheit: Weiterbildungschancen sind in Deutschland und weltweit ungleich verteilt. Nicht alle Arbeitnehmer haben die gleichen Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln.
Laut der OECD-Studie hängt der Zugang zu Weiterbildung stark von drei Faktoren ab: dem Bildungsniveau, der sozialen Herkunft und der beruflichen Position. Menschen mit höherer Schulbildung bekommen deutlich mehr Weiterbildungsangebote als jene mit Hauptschulabschluss. Auch Arbeitnehmer in höheren Positionen profitieren überproportional von Schulungen und Kursen. Besonders benachteiligt sind Arbeitnehmer mit geringerer Qualifikation – sie erhalten die wenigsten Weiterbildungsmöglichkeiten, obwohl sie diese oft am dringendsten bräuchten.
Praktische Auswirkungen
Diese Ungleichverteilung verfestigt bestehende Karrierehierarchien. Während Fachkräfte und Manager kontinuierlich ihre Kompetenzen ausbauen, drohen gering qualifizierte Arbeitnehmer den Anschluss zu verlieren – besonders in Zeiten der Digitalisierung. Das Problem verschärft sich durch den Fachkräftemangel: Unternehmen investieren bevorzugt in bereits hochqualifizierte Mitarbeiter statt in Umschulungen von Geringverdienern.
Helke Seitz vom OECD Centre for Skills warnt davor, dass diese Muster langfristig zu größerer sozialer Ungleichheit führen. Für faire Chancen am Arbeitsmarkt braucht es nach OECD-Einschätzung gezielt Investitionen in Weiterbildung für unterprivilegierte Gruppen – sonst bleibt Aufstieg eine Frage der Herkunft, nicht der Leistung.
Gültig ab: Erkenntnisse aus aktuellem OECD Skills Outlook